Wenn Du den Frieden findest, wirst Du glücklich

Das Ego sagt: „Wenn alles passt, finde ich Frieden!“
Der Geist sagt: „Finde Frieden, dann passt alles!

(Verfasser unbekannt)

Frieden. Was ist das eigentlich? Was ist Frieden für mich? Ist Frieden die Abwesenheit von Krieg? Ist Frieden ein Geisteszustand? Ist Frieden ein Gefühl? Plötzlich ist sie da, diese Frage und drängt danach, beantwortet zu werden. Was ist Frieden für mich?

Jedes Jahr, explizit im Winter und speziell, wenn der Dezember und damit Weihnachten näher rückt, wird Frieden wieder zum Thema. Gebete, Meditationen, Versammlungen sollen helfen, Frieden in die Welt zu bringen und in uns Menschen zu stärken. Frieden ist ein großes Wort, ein Schlagwort in der Presse, der Kirche und der Politik. Doch was bedeutet Frieden für uns, für jeden, für einfache, ganz normale Menschen?

Ich sitze hier und überlege. Wie fühlt sich Frieden für mich an? Wo beginnt er und wie – und wann – nehme ich ihn wahr? An meinem Schreibtisch kann ich ihn nicht fühlen. Zwischen E-Mails, klingelnden Telefonen, Kollegengesprächen und anstehenden Arbeiten werde ich keinen Frieden finden. Mein Weg führt mich nach draußen und vorsorglich nehme ich mein Handy gar nicht erst mit. Niemand soll mich stören auf meiner Suche nach dem „Schlagwort der Vorweihnachtszeit“, dem ich gerade gar kein Gefühl zuordnen kann. Ist Frieden also doch „nur ein Wort“? Auf der Straße empfangen mich Stress und Hektik. Die angespannten Gesichter meiner Mitmenschen machen mir schnell klar: Hier ist der Frieden nicht zu finden. Doch wo soll ich ihn suchen? Nach kurzer Überlegung lenke ich meine Schritte in Richtung der nächsten Kirche. „Frieden hinterlasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch.“ Diese Worte aus der Lutherbibel lassen mich hoffen, dort den Frieden zu finden, der rund um mich mit Abwesenheit glänzt.

Ich betrete die Kirche und nehme die mich empfangende Stille ganz bewusst wahr. Stille, die mir den Lärm meiner Gedanken allerdings umso bewusster macht. Und ich spüre überdeutlich: Hier, an diesem Ort, bin ich dem Frieden nicht wirklich nähergekommen. Als ich die Kirche verlasse, trifft mich der Straßenlärm mit scheinbar doppelter Wucht. Abgase machen das Atmen schwer und unzählige Eindrücke wollen zeitgleich verarbeitet werden. Frieden suche ich hier vergeblich. Wo Menschen sich wegen eines freien Parkplatzes bekämpfen, kann er nicht bestehen.

Ich beschließe, der Stadt den Rücken zu kehren. Mein Weg führt mich durch die Vorstadt, mitten hinein in dörfliche Idylle. Hühner gackern, ein Hahn kräht, Kühe grasen friedlich auf einer Weide. Doch unvermittelt brüllt neben mir der schwere Dieselmotor eines Erntetreckers auf und ich höre die lauten, hektischen Rufe der Erntehelfer, die zur Eile mahnen. Bei näherem Hinsehen entdecke ich eine unwahrscheinliche Geschäftigkeit bei den anwesenden Menschen. Das anfangs idyllische Bild ist dahin und von Frieden finde ich auch hier keine Spur.

Weiter hinaus treibt mich mein Weg und ich lasse die Geräuschkulisse bäuerlicher Hektik weit hinter mir. In einiger Entfernung lockt mich das tiefe Grün eines Waldes und ich lenke meine Schritte in seine Richtung. Bei schönstem Sonnenschein übertrete ich den Waldrand und habe von jetzt auf gleich das Gefühl, in eine andere Welt eingetaucht zu sein. Das durch die Bäume gedämpfte Licht der Sonne bricht sich und funkelt durch das Blätterdach. Es flirrt und schwirrt, es surrt und raschelt überall um mich herum, ohne dass ich nur ansatzweise einen Verursacher dieser leisen, aber sehr deutlichen Geräusche wahrnehmen könnte. Irgendwo in der Ferne ruft ein Vogel. Und als ich all diese Eindrücke auf einmal ganz bewusst in mir wahrnehme, spüre ich, wie es still wird. Nicht um mich – sondern in mir.

Kein Gedanke formt sich mehr in meinem Kopf. Zum ersten Mal seit langer Zeit herrscht Stille im Denkapparat hinter meiner Stirn. Ruhe kehrt ein, während ich tief die frische Luft des Waldes in meine Lungen sauge und gleich darauf spüre, wie sich mein Herzschlag beruhigt. Und als ich mich, behutsam und vorsichtig, auf einen Stapel am Waldrand liegenden Holzes setze, wird mir klar: Ich habe den Frieden gefunden.

Für Minuten schließe ich die Augen und lasse einfach alles auf mich wirken. Und neben dem tiefen Frieden in mir fordert plötzlich ein weiteres Gefühl meine Aufmerksamkeit: Sehnsucht. Die Sehnsucht, diesen Frieden mit in meine „normale“ Welt zu nehmen. Dieses Gefühl zu behalten, zu bewahren, für immer in mir zu tragen. Oder einfach für immer an diesem Ort zu bleiben. Hier, wo alles still und friedlich ist.

Als die Sonne untergeht, zieht es mich zurück. Schließlich habe ich mein Handy nicht dabei und es könnte inzwischen jemand angerufen haben und sich jetzt Sorgen machen. Durch das Dorf und die Vorstadt führt mein Weg mich zurück in das grelle Lärmen der inzwischen nächtlich beleuchteten Großstadt. Als ich schließlich an meinem Schreibtisch angekommen bin, setze ich mich in meinen Sessel, schließe die Augen und lege den Kopf zurück. Und kann ihn plötzlich wieder in mir spüren, den tiefen Frieden, der mich im Wald umfing. Ich trage ihn in mir, immer und jederzeit, das wird mir in diesem Moment klar. Ich kann ihn abrufen, erzeugen, leben, wann immer und wo immer ich will. Denn Frieden ist ein Gefühl! Frieden ist ein Geisteszustand! Ich kann ihn jederzeit bewusst wählen. Ich kann ihn in mir tragen und erzeugen. Und da wir Menschen vom Leben immer in unserem Gefühl bestätigt werden, kann ich ihn auch in die Welt bringen – einfach nur, indem ich ihn in mir erzeuge, in mir trage, in mir fühle. Ich brauche dazu nichts und niemanden, ich brauche nur die Erinnerung an das Gefühl wieder abzurufen, und schon ist er da, der Frieden in mir – und mit ihm der Frieden für die Welt.

Und das Schönste daran ist für mich:
Im Frieden leben macht glücklich!

Eine friedliche und friedvolle Zeit wünscht Ihr/Euer,
Ewald Schober

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