Was bedeutet Frieden für mich?

Denke ich über die Fragestellung nach, kommt es mir so vor, als wäre innerer und äußerer Friede das vielleicht höchste anzustrebende und erreichbare Ziel für uns Menschen. Wenn ich in Frieden bin, mit mir und den Menschen in meiner Umgebung, geht es mir gut. Dann fühle ich mich ganz bei mir zu Hause und habe den Eindruck, im Einklang mit mir und meinem Universum zu sein. Ich fließe im Fluss des Lebens. Ich bin im Flow, ganz im Hier und Jetzt.

Im normalen Alltagsmodus bin ich jedoch oft meilenweit von diesem himmlischen Zustand des Friedens entfernt. Dann ärgere ich mich über die rote Ampel, den schwierigen Kollegen und den ungerechten Chef. Wir alle kennen das sicher nur zu gut. Was kann ich also tun, um trotz der widrigen äußeren Umstände in meinen Frieden zu kommen? Ich ändere meine Sichtweise. Wenn ich die äußeren Bedingungen so vorfinde, wie sie nun einmal sind, habe ich immer noch die Möglichkeit, sie mit anderen Augen zu sehen. Wir alle kennen das Glas, das sowohl halb leer als auch halb voll ist. Das Glas ist beides, zeitgleich, im selben Moment. Statt über die Umstände zu schimpfen und daran zu verzweifeln, kann ich bewusst eine andere Haltung dem Leben gegenüber einnehmen. Ich entscheide mich für die Liebe. Ich gehe den Weg des Herzens.

Ich könnte auch sagen: Ich wende mich nach innen. Der Friede, den ich in meiner Umwelt so verzweifelt suche, wartet auf mich in meinem Herzen. In Verbindung zu meiner Mitte kann es mir gelingen, selbst mit schwierigen Herausforderungen gelassener umzugehen. Probleme können sich auf erstaunlich leichte Weise auflösen, Schwierigkeiten verschwinden wie von selbst. Der Schlüssel zu innerem Frieden ist, ins Herz zu gehen und den anderen so anzunehmen, wie er nun einmal ist. Wenn ich einen groben oder gemeinen Menschen nicht lieben kann, ist dies vollkommen normal. Aber ich kann diesen Menschen ins Herz nehmen und meine Liebe wirken lassen. Was ich selbst nicht vermag, meiner Liebe gelingt es. Mein Schlüsselwort für inneren und äußeren Frieden ist: Vergebung. Wenn ich vergebe, gebe ich meine Liebe, auch dem Trottel, dem Störenfried, der größten Nervensäge.

Carolin arbeitet im Personalwesen und sollte einen Mann wieder in ihre große Firma eingliedern, der längere Zeit wegen Krankheit ausgefallen war. Der Mann verhielt sich jedoch sehr unhöflich und der Umgang mit ihm gestaltete sich als so schwierig, dass sie ausprobierte, ihn ins Herz zu nehmen und mit Vergebung zu arbeiten. Nach ein paar gemeinsam verbrachten Tagen machte er der verdutzten Carolin plötzlich das Angebot, nach der Arbeit mit ihm essen zu gehen. Er wolle sie gern näher kennenlernen – und hatte sich völlig verwandelt!

Text: Vita-Autor Manfred Mohr – arbeitet als Schriftsteller und Seminarleiter.

Im Oktober ist sein aktuelles Buch erschienen: „Vergeben, Versöhnen, Verzeihen – Frieden beginnt in uns selbst“.

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