Vergebung macht glücklich

99,9% der täglichen Entscheidungen trifft unser Unterbewusstsein. Dies ist keine Behauptung, sondern inzwischen wissenschaftlich belegt. Das bedeutet, dass wir von allen Entscheidungen, die wir täglich treffen, nur ca 40 mit dem bewussten Verstand wahrnehmen und wirklich logisch entscheiden. Der Rest wird vollautomatisch abgespult – auch, wenn die meisten von uns etwas anderes glauben.

Die Automatismenprogrammierung unseres Unterbewusstseins beginnt mit unserem ersten Atemzug und endet mit dem Tod. Und es macht seine Aufgabe gut, die darin besteht, uns so viel wie möglich abzunehmen. Aber unser Unterbewusstsein kann nicht logisch denken. Um genau zu sein, „denkt“ es überhaupt nicht. Es speichert nur. Und zwar Bilder und Gefühle. Meist miteinander verknüpft. Und genau diese Verknüpfung ist nicht immer richtig – führt jedoch zu einem Paradoxon in unserem Leben: Wir „bewerten“ eine neue Situation mit neuen Menschen und völlig neuen Zusammenhängen mit dem, was das Unterbewusstsein aus einer alten Situation abgespeichert hat.

Wir lernen einen neuen Menschen kennen, der in Aussehen oder Verhalten jemandem ähnelt, mit dem wir ein Problem haben und wir sprechen davon, „ein schlechtes Bauchgefühl“ zu haben. Und lassen dabei völlig die Tatsache außer Acht, dass eben dieses Bauchgefühl aus einer völlig anderen Situation heraus abgespeichert wurde. Und das Schlimmste daran ist: Wir nehmen dieses Gefühl an und füllen es mit Leben. Statt es zu hinterfragen, fühlen wir es und hauchen ihm damit noch mehr Leben ein. Unsere Gefühle bestimmen die Realität! Wenn ich jemandem also mit einem vorgefärbten Gefühl begegne, muss das Leben meine damit verbundene Erwartungshaltung erfüllen – und wenn diese Erwartung eine negative ist, wird sie mit Sicherheit ebenso erfüllt, wie eine positive Erwartung erfüllt wird.

Wenn unser Leben von negativen Gefühlen überschattet wird, kann dies die allgemeine Lebensqualität nachhaltig beeinflussen. Deswegen ist es sinnvoll, Groll, Ärger, Missgunst und ähnliches gar nicht mitzunehmen. Kränkungen und Verletzungen belasten unser Leben meist noch lange, nachdem der Mensch, der sie verursachte, unser Leben bereits verlassen hat. Immer und wieder erinnern wir uns der Kränkung, fühlen sie neu – und verankern sie damit mit jedem Mal tiefer. Vergebung ist daher ein wichtiger, ein elementarer Schlüssel zu einem glücklicheren Leben!

Doch nicht nur anderen sollten wir vergeben, sondern auch und vor allem uns selbst. Denn Schuldgefühle belasten nicht nur unser Leben, sie verändern es sogar zum negativen, da ein Gefühl immer wieder Situationen erzeugt, die das Gefühl bestätigen!

Wenn wir begreifen, wie Schuldgefühle entstehen, fällt es uns leichter, uns selbst das Handeln zu vergeben, das sie auslöste. Denn ein Schuldgefühl beginnt IMMER mit der scheinbaren Erkenntnis, in der entsprechenden Situation „falsch“ gehandelt zu haben. Schuldgefühle bringen uns immer in die Vergangenheit. Dazu eine kleine Übung:

Holen wir uns doch einmal ein Schuldgefühl herbei, das uns bis heute begleitet. Und dann stelle wir folgende Frage:

„Würde ich zur damaligen Zeit, mit meinem damaligen Wissen und Gefühl, mit meinem damaligen Bewusstsein und allem, was damals zu der Situation geführt hat, noch einmal die gleiche Entscheidung treffen?“

Im ersten Moment sagen hier viele Menschen „Nein!“. Und ich wage zu widersprechen! Denn dieses „Nein!“ bezieht sich eben darauf, dass wir HEUTE einen anderen Wissensstand, ein anderes Gefühl ein anderes Bewusstsein haben, als in dem Moment, in dem wir die Entscheidung trafen, die heute das Schuldgefühl auslöst. Also noch mal:

„Würde ich zur damaligen Zeit, mit meinem damaligen Wissen und Gefühl, mit meinem damaligen Bewusstsein und allem, was damals zu der Situation geführt hat, noch einmal die gleiche Entscheidung treffen?“

Ja, würden wir. Weil wir gar nicht anders konnten! Schon eine Minute, eine Stunde, einen Tag später kann sich das völlig geändert haben. Aber in der damaligen Situation, im damaligen Moment war es die beste – vielleicht sogar die einzige Entscheidung, die gangbar war. Darüber jetzt nachzugrübeln bringt nichts – außer eben genau wieder eben dieses schlechte Gefühl, in dem uns unser Leben wieder bestätigen muss! Und wird! Machen wir uns also klar, dass wir durch unsere Schuldgefühle nicht die Vergangenheit verändern, sondern unsere Gegenwart trüben und schlimmstenfalls sogar unsere Zukunft negative beeinflussen. Und vergeben wir uns einfach unser Handeln! Umso mehr, wenn es sich um Dinge handelt, von denen wir WISSEN, dass keine „böse Absicht“ dahintersteckte. Die unabsichtliche Kränkung des Freundes, der Scherz, der „nach hinten los ging“ – alle diese Erinnerungen und die damit verbundenen Schuldgefühle sorgen dafür, dass unser Leben weniger glücklich ist, als er sein könnte.

Wenn wir uns unser Handeln vergeben, lösen wir damit die Anker, die uns ein schlechtes Gefühl aus der Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart bringen. Mit dieser kleinen Veränderung beeinflussen wir wiederum unsere Zukunft. Denn das Leben bestätigt uns IMMER in unserem momentanen Gefühl! Und je glücklicher unser momentanes Gefühl ist, je besser wird die nächste Stunde, der nächste Tag, die nächste Woche. Uns aus unseren Schuldgefühlen zu lösen, uns selbst zu vergeben, ist ein maßgeblicher erster Schritt für eine glücklichere Zukunft!

Ich wünsche allen Lesern ein glückliches Leben – frei von Schuldgefühlen!

Herzlichst Ihr VITA-Kolumnist,

Ewald Schober

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