CBD Zwischen Wundermittel und Superfood

Cannabis, umgangssprachlich auch Hanf genannt, hat schon lange seinen schlechten Ruf als „Hippiedroge“ abgelegt und zieht immer öfter als Superfood, alternatives Heilmittel oder Kosmetik in unsere Haushalte ein. Aber was macht diese Pflanze so besonders, wo wird sie angewendet und was kann sie wirklich?

Cannabis zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen unserer Erde. Schon die alten Ägypter und Chinesen wussten um ihre Besonderheit und ihre Anwendungsvielfalt. Als schnell nachwachsender Rohstoff wird Hanf heutzutage immer wichtiger für Textilindustrie, Bauwirtschaft und den Arzneimittelbereich. Es gibt kaum eine Sparte, die noch kein Hanfprodukt anbietet. Verwendet werden kann von der grünen Superpflanze alles. Aus ihrem Stängel werden beispielsweise Seile hergestellt, aus den Samen Speiseöl und aus destillierten Blättern und Blüten ätherische Öle. Oft wird Cannabis zu Unrecht aufgrund seiner berauschenden Wirkung abgelehnt, aber nicht jede Cannabispflanze berauscht. 

Nur die weiblichen Pflanzen beinhalten das psychoaktive THC. Aus ihren Blüten und Blättern wird Marihuana, aus ihrem Harz Haschisch hergestellt. Cannabis- bzw. Hanfprodukte für Kosmetik, Textil und als Superfood werden eigens für diese Anwendungsbereiche gezüchtet, beinhalten kein THC und haben somit keine berauschende Wirkung.

Anwendungsbereiche

Wenn es auch um die Legalisierung von Cannabis in Österreich immer noch Diskussionsbedarf gibt, steigen die Anwendungsbereiche der Pflanze, mit und ohne THC, stetig. So erzielt Cannabis beispielsweise in der Medizin sehr gute Ergebnisse. Gerade in der Krebstherapie hat sich Cannabis einen Namen gemacht, aber nicht nur bei Krebs zeigt sich Hanf als wahrer Held.

Studien haben positive Auswirkungen von Cannabis auf Spastiken, Zittern, Ataxien, Tourette- Syndrom und Multiple Sklerose festgestellt. Darüber hinaus kann es bei Aids-, Krebs- und Hepatitispatienten Übelkeit lindern und gegen Erbrechen wirken. Auch gegen Appetitlosigkeit kann Cannabis helfen, besonders bei Aids und Morbus Alzheimer; bei Letzterem lindert es mitunter auch den verwirrten Zustand.

Nicht nur bei Krankheitsbildern zeigt sich: Cannabis wirkt. Auch in der akuten oder längerfristigen Schmerztherapie kann Cannabis positiv wirken. Aber warum eigentlich?

Aufgrund der Ähnlichkeiten zwischen den im Körper vorkommenden Botenstoffen

„Endocannabinoide“ und den Hauptinhaltsstoffen der weiblichen Cannabis-Pflanze, Delta-9- Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidol (CBD), finden diese beiden Stoffe die perfekte Andockstation, um von dort Nerven-Rezeptoren zu dämpfen und Reize abzuschwächen. So erfolgt eine Schmerzlinderung besonders bei Krebsschmerzen, Kopfschmerzen, Menstruationsschmerzen, chronischen Darmentzündungen, Neuralgien und HIV. Legal sind THC und THC-haltiges Cannabis in Österreich allerdings nicht. Im Gegenzug dazu ist der Inhaltsstoff CBD nicht verboten und somit verschreibungsfähig.

Abgesehen vom medizinischen Aspekt der Superpflanze kommen wir zu einem weiteren Anwendungsbereich, der nicht in sterilen Arztzimmern, sondern in unseren Häusern und Wohnungen liegt: Hanf als Superfood. Nicht nur in der Medizin oder zur Schmerztherapie ist Hanf ein wahres Multitalent, auch in der Küche als Superfood erfüllt er wichtige Aufgaben. Besonders bei veganen oder vegetarischen Ernährungsformen kann Hanf viele Inhaltsstoffe bieten, die sonst eigentlich nur in Fleisch oder Milch in hohen Konzentrationen vorkommen würden. Fehlen Fleisch und Milch in der Ernährung, kann es dazu kommen, dass auch deren wichtige Inhaltsstoffe nicht aufgenommen werden, was im schlimmsten Fall zu Mangelerscheinungen führt. Hanf dient somit als perfekte Ergänzung und Alternative zu tierischen Produkten und als Mineralstofflieferant schlechthin. Verwenden kann man Hanfsamen oder das daraus raffinierte Hanfsamenöl. Die Samen sehen aus wie kleine Nüsse und sind voll mit wichtigen Aminosäuren, Vitaminen und Proteinen. In ihnen enthalten sind:

Calcium

Kalium

Magnesium

Schwefel

Eisen

Vitamine A, B, C, D und E

Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

Gamma-Linolensäure

Antioxidantien

Hanf kann beispielsweise das Immunsystem stärken, die Ausscheidung von Giftstoffen fördern, den Heilungsprozess im Körper unterstützen, Zellen reparieren, die Verdauung fördern, Energie liefern, die Immunaktivität stärken, sich positiv auf das Gehirn auswirken, entzündungshemmend wirken, Heilungsprozesse bei Asthma, Ekzemen und Allergien fördern, die Fettverbrennung erleichtern, sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken, schöne Haut und Haare fördern, antioxidativ wirken und so vor freien Radikalen schützen, die Gesundheit unseres Herzens stärken oder den Muskelaufbau unterstützen. Gegessen werden können die Hanfsamen als Snack, im Müsli, Joghurt oder Salat, in Suppen oder Smoothies. Das Öl kann als Ersatz für Olivenöl verwendet werden, zum Beispiel in Soßen, Dips, Salatdressings oder Aufstrichen.

Außerdem findet Cannabis auch noch Einzug in unser Badezimmer. In der Kosmetik genießt es einen ausgezeichneten Ruf bei Anti-Aging, der Pflege von sensibler, entzündeter Haut und in der Therapie gegen Schuppenflechte, Neurodermitis und Narben. Die essentiellen Fettsäuren werden schnell vom Körper aufgenommen und reduzieren Schäden der Haut. 

Das Öl bildet eine Art Schutzmantel gegen das Austrockenen und den Angriff von Bakterien und Viren auf unserer Haut. Die im Öl enthaltene Gamma-Linolensäure kommt auch in unseren Körpern vor und spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel. Mit zunehmendem Alter und besonders bei falscher Ernährung, Alkoholkonsum und Stress nimmt der Gehalt der Gamma- Linolensäure in unserem Körper allerdings ab und unsere Haut zeigt Alterserscheinungen wie Falten. Durch die Zufuhr von Hanföl wird diese Säure unserem Köper wieder hinzugefügt, was ein jüngeres Aussehen bewirkt.

Egal also ob Cannabis bzw. Hanf in der Medizin, als Superfood oder in der Kosmetik angewendet wird, die Superpflanze zeigt in jedem Bereich, dass sie nicht nur berauschend, sondern vor allem auch heilend und unterstützend wirken kann.

Text: VITA-Redakteurin Antonia Pichler

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